Was heißt denn eigentlich „Art-Direction“?
oder
Warum ist den die Art-Direction so teuer?
Das sind solche Fragen die wir wirklich lieben. Nicht dass wir hier in Erklärungsnot kommen oder rot vor Scham werden, aber diese Fragen implizieren doch meistens den Vorwurf der Preistreiberei oder besser gesagt der des – aus Kundensicht angenommenen – „Realitätsverlustes“.  Normalerweise legen wir dann dar, wie sich unsere Angebote zusammensetzen und wie solche Summen zustande kommen. Kein Problem! Wenn dann aber nach geduldigem Vortrag moniert wird, dass es doch keine Mühe oder Aufwand macht ein paar Bilder rum zuschieben oder sich Gedanken über Aufbau, Wirkung und Zusammenhang der einzelnen Bestandteile eines Corporate Designs oder einer Website zu machen, dann werde ich sauer. Meistens sind es Kunden, die schon Erfahrungen mit Unternehmensberatern, Consultants oder dergleichen gemacht haben. Soweit ich mich erinnern kann liegen die Tageshonorare dieser Berufsgruppen weit über denen der Werbeagenturen.
Ich will die Leistung von Unternehmensberatern gar nicht schmälern oder abtun. Im Gegenteil! Ein Grossteil der Consultants ist jeden Cent wert und wird langfristig eine gut angelegte Investition sein. Das Spannende an der Sache ist, dass wir Designer genauso beraten (oft in der Art-Direction enthalten) und diese ja auch noch umsetzen. Doch um etwas umzusetzen muss man sich vorher Gedanken gemacht haben. Leider werden diese „Vorarbeiten“ meist nicht oder nur wenig honoriert. Und wenn ich von „Honorieren“ rede meine ich nicht die Bereitschaft dafür Geld zu zahlen, sondern die Anerkennung für eine Leistung, die definitiv erbracht wird. Kreative sind extrem abhängig von Lob und Anerkennung. Aber das nur am Rande.
Bei der kreativen Beratung – sprich Art-Direction – kann man keine Stundensätze ansetzen oder die Zeitspanne messen die ein Konzeptioner oder Art-Director braucht um die zündende Idee zu haben oder den roten Faden zu „erfinden“. Manch geniale Ideen und Gestaltungkonzepte sind schon auf dem stillen Örtchen oder beim Absacker in der Kneipe entstanden. In Sekunden oder Stunden! Der Zeitaufwand spielt hierbei überhaupt keine Rolle. Wichtig ist doch was – Achtung: Wortwitz – dabei heraus kommt. Um eines klar zu stellen: ich rede hier von tollen Agenturen mit tollen Kunden. Nicht von Mittelmässigkeit oder Langeweile. Nicht von Masse sondern von Klasse. Und um im oben erwähnten Terminus zu bleiben: es gibt auch Agenturen, die etwas „rausscheissen“ und dafür viel Geld verlangen. Auftraggeber sollten sich deshalb viel mehr die Frage stellen, ob sie die richtige Agentur haben als den Posten Art-Direction grundsätzlich in Frage zu stellen.
Eine Minderung oder gar Weglassen der Art-Direction degradiert uns Agenturen zu Grafik-Stüberln oder besseren Satzstudios. Und das will keine Seite. Zum Glück hat der AGD (Allianz deutscher Designer) diese Misere schon lange erkannt und bringt seit 20 Jahren den Vergütungstarifvertrag Design (VTV) heraus. Eigentlich sollte jede seriöse Agentur sich nach diesen marktüblichen Vergütungsvorschlägen richten um gegen Missverständnisse und Unklarheiten gewappnet zu sein. Wir wollen zwar nicht unbedingt als „seriös“ bezeichnet werden nutzen aber den VTV bei praktisch allen Kalkulationen und Angeboten und haben uns deshalb entschlossen allen unseren Kunden jeweils ein Exemplar KOSTENLOS (in Worten: k-o-s-t-e-n-l-o-s) zur Verfügung zu stellen.
Eine kurze E-Mail an uns mit dem Betreff „Her mit dem VTV!“ reicht aus und schon ist alles Friede, Freude, Eierkuchen!


